Helene Hegemann I und II

war zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. 17 Jahr. Blondes Haar. Aus prominent intellektuellem Hause. Hat schon mit 15 ein Drehbuch verfasst, Preise bekommen, Film gedreht. Dann ein Roman:  Axolotl Roadkill (Ullstein, 14,95). Fräuleinwunder. Alle Feuilletonisten der Republik ließen sich ausführlich über die reizvolle Diskrepanz der zarten Mädchenoptik und der nicht ganz so zarten Schreibe der Helene H. aus. Mehr oder weniger kollektive Begeisterung. Die Tatsache, dass Buch und Autor sich nicht ohne weiteres voneinander trennen lassen, wurde in diesem speziellen Fall besonders gerne gewürdigt. Derzeit Platz 5 der Spiegel-Bestsellerliste, Platz 7 bei Amazon. Ende der Geschichte. Ja? Nein!

Wunderbar: Plagiatsvorwürfe! Frau Hegemann wird vorgeworfen, ganze Passagen aus einem wenig bekannten Roman des Bloggers Airen abgeschrieben zu haben: Sein Verlag SuKuLTuR findet das nicht lustig. Frau Hegemann schon. Die völlig konträren Weltsichten des klassischen Feuilletons und der digitalen und sonstigen Bohème prallen ungebremst aufeinander. Der Gap im Umgang mit dem Wissen der Welt zeigt sich im „Fall Hegemann“ besonders anschaulich. Vielleicht eine Generationsfrage, vielleicht aber auch der Weltoffenheit? Die Grenzen zwischen Inspiration und Klauen sind sicher fließend; keine geistige Leistung entsteht aus sich selbst. Doch abschreiben, ohne die Quelle zu nennen, geht nicht, geht gar nicht! Mir fällt allerdings auf, dass der Beklaute – Airen – sich ziemlich zurückhält. Die Auseinandersetzung findet zwischen den Verlagen statt. Urheberrecht? Der Aufhänger. Nutzungsrechte – darum geht es. Und die haben die Verlage, nicht die beiden Autoren.

Letztendlich ist es völlig piepenhagen, ob der Hegemannsche Roman gut, schlecht, geklaut oder sonst was ist. Im Vordergrund steht der Medienhype, der diversen Presseerzeugnissen Leser und Traffic beschert, der dem Ullstein-Verlag hilft, das Buch zu verkaufen, der den kleinen Verlag SuKuLTuR bekannter macht. Frau Hegemann ist jetzt auch dem allerbreitesten Publikum bekannt. Blogger Airen auch (manchen).

Helene, lerne die Regeln des Spiels! Denn nur, wer die Regeln beherrscht, kann sie brechen – schlau brechen.

(Tja, jedes Schreiben über den Fall H.H. setzt immer noch eins drauf. Jetzt reicht es dann aber bald. Nur Fritz‘ Gedanken solltet ihr unbedingt noch lesen.)

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