Kunst in Kassel

Noch ein paar Tage, dann ist wieder Ruhe im Karton – respektive in Kassel. Am nächsten Wochenende schließt die Documenta, weltweit größte und auch wichtigste Kunstschau, ihre Pforten. Bis der Zirkus 2017 von vorne los geht. Natürlich war ich diesen Sommer da, so wie im Sommer vor fünf Jahren, vor zehn Jahre, vor 15 Jahren…

Die Documenta hat für mich etwas Magisches. Das Gefühl im unüberschaubaren Kunstdschungel plötzlich vor einer Arbeit zu stehen, die mich in ihren Bann zieht: das ist mein Kassel-Kick. Meine tour de force beginnt am Freitagmittag. Sofort schnappt die Gierfalle zu: Möglichst viel sehen, alle Sensoren auf Empfang. Ist natürlich Blödsinn. Wenn meine anfängliche Hektik sich gelegt hat, ich ruhiger werde, dann beginne ich, mich einzulassen. Und vergesse bis Samstagabend den Rummel um mich herum (Kassel wird von Mal zu Mal mehr zum Spektakel, zum „Event“, das man nicht verpassen darf.)

Im Gegensatz zur malerischen Inszenierung der venezianischen Biennale ist die Kasseler Kombination einer etwas drögen 50er Jahre Stadt mit gegenwärtiger Kunst aus aller Welt von eher sprödem Charme. Aber kaum eine Stadt zeigt noch ein so geschlossenes Wiederaufbau-Wirtschaftswunder-Gesicht. Muss man nicht gut finden, mich fasziniert es.

Es ist völlig aussichtslos, alles was gezeigt wird, wahrzunehmen und im Gedächtnis zu behalten. Also Notizen machen. Manchmal. Ja. Ich will dennoch keine Pics der Kunstwerke posten oder interpretatorische Statements abgeben. Es gab viel Spannendes und viel Unwesentliches. Das ist immer so. Diese Arbeiten sind mir (unter anderem) besonders in Erinnerung geblieben:

  • Kader Attias Inszenierung „The Repair“
  • Wael Shawkys Marionettenspiele „Cabaret Crusades“
  • Zanele Muholis sw-Fotos „Faces and Phases“
  • Julie Mehretus riesenformatige vierteilige Arbeit zu revolutionären Plätzen
  • Janet Cardiffs Audioinstallation „For a Thousand Years“ in der Karlsaue
  • Fast alles in der Friedrichstraße (besonders Gerard Byrne im Ballsaal des Hotel Hessenland und Theaster Gates im Hugenottenhaus)
  • Doch, auch das exzentrische Sammelsurium verschiedener Artefakte in der Rotunde des Fridericianums, inszeniert von Frau Christov-Barghiev.

Und ja, ich habe „Human“, den Hund mit dem rosa Bein, gesehen. Und kurz vor der Rückfahrt noch eine Runde durch den Park des Wilhelmshöher Schlosses gedreht.

Also dann: Was bleibt? Oder besser: welche Wirkung hat diese Documenta? Hat überhaupt je eine Documenta eine Wirkung gehabt, eine Wirkung über sich selbst hinaus? Oder ist das völlig gleichgültig? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich auch die nächste Documenta besuchen werde. Die jetzige ist noch bis 16. September 2012 zu erleben.

Dieser Beitrag wurde unter Architektur, Ausstellung, Kunst, Malerei, Moden, Natur abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s