Wien, Wien nur du allein…

Im Wohnwagen brennt einladend das Licht. Er parkt vor dem Eingang des Unteren Schlösschens, in dem der Kunstverein Bobingen gerade WIENERbRUT zeigt. Wienerbrut? Wiener Blut, art brut, Brut? Jedenfalls Wien. Dort lernten sich die sechs Künstlerinnen, die hier zusammenspielen, kennen; bereits während des Studiums an der Universität für Angewandte Kunst arbeiteten sie an gemeinsamen Projekten: Rebecca Harris, Ute-Marie Paul, Antonia Pöhlmann, Esther Irina Pschibul, Julia Weidner, Elke Zauner. Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie, elektronisch-mediale Ausdrucksformen: die Arbeiten des sixpacks kooperieren, korrespondieren und konkurrieren.

Elke Zauners Malerei im linken Raum zeigt konsequent abstrahierend Straßen und Außenräume, die auf Fläche und Licht reduziert werden. Davor erheben sich Esther Irina Pschibuls Schweinsblasenobjekte, die – ausgehend von der Idee der Schutzhülle für Pschibuls Skulpturen – sich zum eigenständigen Werk emanzipieren. Antonia Pöhlmann bespielt den rechten Raum mit einer Psycho-Praxis-Installation; sie zeigt Bilder von Frauen, die durch Nazi-Spritzen ermordet wurden und hängt ihr eigenes dazu. Julia Weidner geht per Video ironisch mit ihrem Mutter/Waschfrau-Schicksal um.

Im zentralen Raum, dem Gelenk zwischen Malerei/Skulptur auf der einen Seite und Installation/Videokunst auf der anderen geht es ums Zeichnen: Vorstudien wie Pschibul sie hier zeigt oder auch um Zeichnung als eigenständige „fertige“ Form. Ute-Marie Paul bearbeitet Fotografien mit dem Stift und verändert so die Bedeutung und Tragweite einzelner Bildelemente. Sehr überzeugend sind vor allem Rebecca Harris großformatige Großraum(architektur?)büros.

Im Vorraum finden sich noch einige kleinere Arbeitsbeispiele in Vitrinen. Die miteinander verwobenen Lebenswege der sechs Künstlerinnen hat Pschibul in einer großen Zeichnung visualisiert.

Bei einer Schau wie dieser besteht das Risiko, ein verwirrendes Sammelsurium aus Einzelarbeiten zu hinterlassen. Ist das nun eine gemeinsame Arbeit mehrerer Künstler? Was ist von wem? Und ist das wichtig? Die Präsentation im linken Raum mit den Arbeiten von Zauner und Pschibul ist wie es eben so ist in einer Ausstellung; vielleicht ein wenig zu ästhetisch. Die Zusammenstellung in den beiden anderen Räume ist weit weniger trennscharf; insbesondere im rechten Raum scheint es sich auf den ersten Blick um eine zusammenhängende Installation zu handeln. Der zentrale Raum fungiert als Transit zwischen Einzelpositionierung und Gemeinschaftswirken.

Die Ausstellung ist logisch konzipiert und dennoch leicht unstimmig, die Arbeiten der Künstlerinnen wirken ein wenig unmotiviert miteinander verbunden. In der Fülle wiederum geht die Qualität der einzelnen Arbeiten unter. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig? Die Künstlerinnen selbst haben jedenfalls erkennbar einen guten Draht zueinander.

P.S. Der Wohnwagen, künstlerisches Konzept und Domizil der unbehausten Antonia Pöhlmann, musste inzwischen hinters Haus verfrachtet werden. steht jetzt in Augsburg im Kulturpark West (danke, Kerstin!).

WIENERbRUT|Kunstverein Bobingen|noch bis 20. November 2011

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