Der König spricht

Bertie muss eine Rede halten. Es ist 1925 und die Ansprache wird im Radio übertragen. Doch Bertie stottert, und das Ganze endet als Fiasko, weil er keinen ordentlichen Satz hervorbringt. Die einfache Lösung wäre: keine öffentlichen Vorträge mehr. Geht aber nicht, denn Bertie ist der Sohn des englischen Königs. Hilfe naht letztendlich durch den unorthodoxen Sprachtherapeuten Lionel Logue, der entscheidend dazu beiträgt, dass Albert, Herzog von York, Souveränität und flüssige Sprache erlangt. Fluchend und singend bekommt er seine Sprachstörungen in den Griff. Doch dann wird es richtig schwierig. Bruder Edward VIII dankt ab und Bertie übernimmt ein Amt, das er nicht will und das er fürchtet: als König Georg VI hat er die Aufgabe, die Briten in der Zeit der Bedrohung durch den deutschen Naziterror und World War II als Symbol und Identifikationsfigur zu begleiten und zu und mit ihnen zu sprechen. Der König wiederum wird von Lionel Logue begleitet, der ihn trainiert und ihm zur Seite steht.

Ein Film über die Sprachprobleme eines Königs? Gibt es nichts Wichtigeres? Mit Sicherheit gibt es das. Doch dieser König hat für Briten immer noch eine besondere Bedeutung. Demzufolge läuft alles auf den Höhepunkt und Schlusspunkt des Films hin: Die Radioansprache Georgs VI zur britischen Kriegserklärung an Deutschland am 3. September 1939.

Die Independent-Produktion „The King’s Speech“ verfügt über die Muster, die einen Film tragen: Freundschaft über außergewöhnliche Widrigkeiten hinweg, sich selbst und seine Handicaps überwinden und eine ordentliche Portion „eigene Bedürfnisse zugunsten höherer Ziele zurück stellen“. Der Set besticht durch in dämmrigem Licht  leicht schäbig anmutende Englishness, die ich – zugegeben – sehr schätze. Doch die Juwelen des Films sind die Hauptdarsteller. Neben Helena Bonham-Carter (Alberts Frau Elizabeth ) agieren die großartig zusammen spielenden Geoffrey Rush, der Therapeut, der zum Freund wird, und der wunderbare Colin Firth als Georg VI. Ja, dieser Mann wird einfach immer besser.

Die vielen Oscarnominierungen treffen diesmal das richtige Projekt. „The King’s Speech“ scheint zwar bislang kein Blockbuster zu sein, das wird sich aber sicher ändern.

Update: „The King’s Speech“ wurde als bester Film ausgezeichnet. Es gab Oscars für Colin Firth, für den Regisseur Tom Hooper und für das Originaldrehbuch. Die als beste Nebendarsteller nominierten Geoffrey Rush und Helena Bonham-Carter gingen jedoch leer aus.

Noch was: wenn möglich, bitte die englische Originalfassung ansehen. Und zum Vergleich anhören: Einen Ausschnitt aus der originalen BBC Ansprache des Königs am 3. September 1939

Dieser Beitrag wurde unter Film, Geschichte abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Der König spricht

  1. Pingback: Tweets that mention Der König spricht | spielart -- Topsy.com

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s