in die Tasche gesteckt

Alten Handtaschen kann ich schwerlich widerstehen. Vor einiger Zeit habe ich zwei  wunderbare Exemplare aus allerfeinstem Leder auf dem Flohmarkt erstanden. Eines dieser schicken Dinger hat mich kürzlich ins Theater begleitet.

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Als ich die Tasche am späten Abend leer räumte, fiel aus einem Seitenfach dies heraus: eine schwarzweiß Fotografie und eine blonde Locke in Zellophan verpackt.

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Gehörte meine lederne Schönheit früher der Dame  auf dem Foto? Oder dem Kind, nachdem es erwachsen wurde? Sind es Mutter und Tochter? und wessen Locke ist das? Die des Kindes, die der Frau? Viele Konstellationen sind vorstellbar. Das wäre Material für eine Geschichte…

pics von mir

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Platt oder aufgeblasen?

Seit dem Sommer hängt im leeren Gasbehälter auf dem Gelände des ehemaligen Augsburger Gaswerks ein riesiges Herz aus Plastikfolie, das mit Hilfe eines Gebläses in Form gebracht wird. Eigentlich ein guter Ansatz, doch das Ergebnis wirkt lediglich platt, die Ausführung billig. Seht her, ich bin ein Kunstwerk. Mehr ist nicht. Auch die übrigen Objekte des Künstlers Jaume Plensa haben mich wenig überzeugt. Im H2 sind fragile Aluminumgebilde verteilt, die wie Dekodinger rüber kommen. Im Schaezlerpalais gruppieren sich farbwechselnde Figuren aus transluzidem Plastik, die fatal an diese von innen leuchtenden Blumentöpfe erinnern. Sieht ganz hübsch kitschig aus – vor allem bei Dunkelheit. Pics: von mir

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20141010_jaume plensa_h2

20141010_jaume plensa_schaezlerpalais

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Kirchen bauen?

Die protestantischen Kirchen Martin Elsaessers (1884-1957) haben etwas ungemein Wohnliches an sich: keinesfalls modern, eher dem Heimatstil verhaftet – doch im Detail erweist sich die Architektur als erlesen. Elsaesser war beileibe kein Himmelsstürmer der Moderne, doch er schuf menschengerechte, klar gestaltete, nüchtern konzentrierte sakrale Architektur – mit extravaganten Details. Im Architekturmuseum Schwaben kann man sich bis 23. November ansehen, wie er das gemacht hat. Mehr dazu auf a3kultur.

martin elsaesser_architekturmuseum schwaben_2014_barbara wolf

Pic: Dr. Barbara Wolf, Architekturmuseum Schwaben

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Usbekische Traditionen

Saodat Ismailova stammt aus Taschkent in Usbekistan, ihre Heimat ist zentraler Punkt im Werk der Filmemacherin. Das hat nichts mit Folklore zu tun, sondern mit der Verwurzelung der Künstlerin in Zentralasien. Sie setzt sich stimmig und vielschichtig mit den Traditionen Usbekistans, mit der Rolle der Frau in diesem Land, mit der kulturellen Identität auseinander. Ernsthaft, poetisch, klar. Konnte man auch schon auf der Berlinale 2014 und der Biennale 2013 in Venedig erkennen. Und derzeit im Augsburger Höhmannhaus. Etwas ausführlicher nachzulesen auf a3kultur. Pic von mir.

saodat ismailova_atamker_hoehmannhaus augsburg_2014

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Große Oper und kleine Operette

Von Zeit zu Zeit gehe ich ja ins Theater. In Augsburg habe ich mir vor kurzem zwei Neuinszenierungen zu Gemüte geführt. Die Neuinszenierung der „Jenufa“ von Leos Janacek war nahezu perfekt. Da tun sich Abgründe auf. Die Oper wurde bereits 1904 uraufgeführt, doch im Grunde ändert sich nix… ein ziemlich aufwühlendes und absolut überzeugendes Drama. Mehr auf a3kultur.

Jenufa_theater augsburg_201409_PRPic: A.T. Schaefer, Theater Augsburg

 

 

 

 

 

Das Kontrastprogramm war eine Uraufführung, die ein Jacques-Offenbach-Mashup zu einer schrägen schrillen Kapitalismuskritik hochdrehte. Mehr hier.

banditen von gerolstein_theater augsburg_201409_PRPic: Nik Schölzel, Theater Augsburg

 

 

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eingreifen!

Im Augsburger Höhmannhaus residiert zur Zeit “Der Greif”. Die Macher dieses sehr schönen (und absolut werbefreien) Magazins für Bild und Text haben dort ein temporäres Hauptquartier aufgeschlagen. Die Besucher der Galerie können ihnen über die Schulter sehen und erleben hautnah wie eine Extra-Publikation entsteht. Rund 300 Fotos sind schon da: eine Auswahl daraus plus Texte ist gleich spannendes Magazin.

Doch der Entstehungsprozess selbst ist der Kern des Projektes “A Process”. Vor Ort und im Netz kann man die Sache bis Mai verfolgen.

der greif_ausstellung hoehmannhaus_2014Ich habe bei der Vernissage meinen fotografischen Blick auf den langen Arbeitstisch gerichtet, an dem in den nächsten Wochen gepuzzelt werden wird. Das so entstandene Bild geht allerdings nicht in das Projekt ein. Schade, eigentlich…

Und hier hab ich ebenfalls was dazu geschrieben…

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sommer. tag.

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sommer. abend.

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Karten lesen

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Einmal die Woche hab ich das bräunliche Monster in die Schule geschleppt, zum Erdkundeunterricht. Furchtbar. Furchtbar schwer. Aber nicht kaputt zu kriegen, solide verarbeitet. Ich hab ihn immer noch, würde ich nie wegschmeißen. Meinen Diercke Weltatlas. Das unhandliche Ding begleitet mich seit meiner Schulzeit. Nur noch von historischem Wert, ich guck da nie rein (außer, um eine Seite zu fotografieren), doch neben der zerfledderten lateinischen Grammatik ist er das einzige Schulbuch, das alle meine Entrümpelungsattacken überlebt hat.

Gibt es jemanden, der keinen Diercke Schulatlas besessen hat? Wohl kaum. Brauchen wir sowas heute noch? Naja. Eher nicht.

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Ach so: Am 21. Mai 1838 gründete George Westermann eine Verlagsbuchhandlung, die bis heute aus dem Schülerleben nicht wegzudenken ist. 1883 erschien dort der erste „Schul-Atlas über alle Teile der Erde“ von Carl Diercke.

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Echt tragbar

20130425_handtaschen_1920

Ich mag Taschen. Vor allem große. Mein Benutzungsrepertoire hält sich jedoch in Grenzen. Nicht, dass mein Fundus so klein wäre… Doch mein inneres Gewohnheitstier lässt mich immer wieder auf die gleiche Handvoll Exemplare zurück greifen. Aber die Henkelsachen ansehen ist schön. Das kann man derzeit in München: Das Bayerische Nationalmuseum zeigt in einem Rundumschlag mitteleuropäische Taschen aller Arten aus der Zeit von 1550 bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Da gibt es Jagdtaschen, Geldstrümpfe und Handarbeitskörbchen. Hinreißende seidene bestickte Pompadours,  Strohtaschen aus den Alpen und ein Cartierhandtäschchen aus dem Besitz von Marlene Dietrich. Nicht zu vergessen die unvermeidliche Kelly-Bag, einmal ein frühes Exemplar aus den 1930ern, daneben eine Version aus den 50ern. Viel Schönheit, ein paar schräge Sachen und vor allem eine 1a konzipierte Schau. Wohl gemerkt: hier ist nicht Fashion Week, hier wird an Hand eines Accessoires die Veränderung der Alltagswelt geschildert. Sehenswert.

20130425_handtaschen_1980Szenenwechsel. Münchner Stadtmuseum. Dort läuft eine Ausstellung über Mode und Lebensgefühl der 1970er Jahre. Da gibt es enorm schicke Kleider, die ich sofort haben möchte (das Designerzeug, mein Favorit: ein bedrucktes Seidenjersey-Kleid von Léonard). Und ein Raum weiter: grauenvolles Zeug, mehr so die Polyester-Ecke. So viel Hässlichkeit, ganz besonders die Standardmännermode. Unglaublich (lustig)! Ergänzt wird die Parade der Merkwürdigkeiten durch Impressionen aus der Münchner Glimmer-Glanz-Hip-Szene. Die Bilder, auch die bewegten, und allerliebster Discosound lassen tief blicken. Doch die Betroffenen fanden sich wohl hinreißend. Und ich hab mich gut amüsiert.

Die Schnappschüsse zeigen übrigens Schätzchen aus meiner eigenen Sammlung, oben aus den 1920ern, darunter zwei Eighties-Modelle…

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