eingreifen!

Im Augsburger Höhmannhaus residiert zur Zeit “Der Greif”. Die Macher dieses sehr schönen (und absolut werbefreien) Magazins für Bild und Text haben dort ein temporäres Hauptquartier aufgeschlagen. Die Besucher der Galerie können ihnen über die Schulter sehen und erleben hautnah wie eine Extra-Publikation entsteht. Rund 300 Fotos sind schon da: eine Auswahl daraus plus Texte ist gleich spannendes Magazin.

Doch der Entstehungsprozess selbst ist der Kern des Projektes “A Process”. Vor Ort und im Netz kann man die Sache bis Mai verfolgen.

der greif_ausstellung hoehmannhaus_2014Ich habe bei der Vernissage meinen fotografischen Blick auf den langen Arbeitstisch gerichtet, an dem in den nächsten Wochen gepuzzelt werden wird. Das so entstandene Bild geht allerdings nicht in das Projekt ein. Schade, eigentlich…

Und hier hab ich ebenfalls was dazu geschrieben…

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sommer. tag.

20130728_balkonsommer

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sommer. abend.

20130719_sommernacht_01

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Karten lesen

20130521_diercke weltatlas 01

Einmal die Woche hab ich das bräunliche Monster in die Schule geschleppt, zum Erdkundeunterricht. Furchtbar. Furchtbar schwer. Aber nicht kaputt zu kriegen, solide verarbeitet. Ich hab ihn immer noch, würde ich nie wegschmeißen. Meinen Diercke Weltatlas. Das unhandliche Ding begleitet mich seit meiner Schulzeit. Nur noch von historischem Wert, ich guck da nie rein (außer, um eine Seite zu fotografieren), doch neben der zerfledderten lateinischen Grammatik ist er das einzige Schulbuch, das alle meine Entrümpelungsattacken überlebt hat.

Gibt es jemanden, der keinen Diercke Schulatlas besessen hat? Wohl kaum. Brauchen wir sowas heute noch? Naja. Eher nicht.

20130521_diercke weltatlas 02

Ach so: Am 21. Mai 1838 gründete George Westermann eine Verlagsbuchhandlung, die bis heute aus dem Schülerleben nicht wegzudenken ist. 1883 erschien dort der erste „Schul-Atlas über alle Teile der Erde“ von Carl Diercke.

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Echt tragbar

20130425_handtaschen_1920

Ich mag Taschen. Vor allem große. Mein Benutzungsrepertoire hält sich jedoch in Grenzen. Nicht, dass mein Fundus so klein wäre… Doch mein inneres Gewohnheitstier lässt mich immer wieder auf die gleiche Handvoll Exemplare zurück greifen. Aber die Henkelsachen ansehen ist schön. Das kann man derzeit in München: Das Bayerische Nationalmuseum zeigt in einem Rundumschlag mitteleuropäische Taschen aller Arten aus der Zeit von 1550 bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Da gibt es Jagdtaschen, Geldstrümpfe und Handarbeitskörbchen. Hinreißende seidene bestickte Pompadours,  Strohtaschen aus den Alpen und ein Cartierhandtäschchen aus dem Besitz von Marlene Dietrich. Nicht zu vergessen die unvermeidliche Kelly-Bag, einmal ein frühes Exemplar aus den 1930ern, daneben eine Version aus den 50ern. Viel Schönheit, ein paar schräge Sachen und vor allem eine 1a konzipierte Schau. Wohl gemerkt: hier ist nicht Fashion Week, hier wird an Hand eines Accessoires die Veränderung der Alltagswelt geschildert. Sehenswert.

20130425_handtaschen_1980Szenenwechsel. Münchner Stadtmuseum. Dort läuft eine Ausstellung über Mode und Lebensgefühl der 1970er Jahre. Da gibt es enorm schicke Kleider, die ich sofort haben möchte (das Designerzeug, mein Favorit: ein bedrucktes Seidenjersey-Kleid von Léonard). Und ein Raum weiter: grauenvolles Zeug, mehr so die Polyester-Ecke. So viel Hässlichkeit, ganz besonders die Standardmännermode. Unglaublich (lustig)! Ergänzt wird die Parade der Merkwürdigkeiten durch Impressionen aus der Münchner Glimmer-Glanz-Hip-Szene. Die Bilder, auch die bewegten, und allerliebster Discosound lassen tief blicken. Doch die Betroffenen fanden sich wohl hinreißend. Und ich hab mich gut amüsiert.

Die Schnappschüsse zeigen übrigens Schätzchen aus meiner eigenen Sammlung, oben aus den 1920ern, darunter zwei Eighties-Modelle…

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Hast du mal Feuer?

Mit nem Feuerzeug kann man natürlich Bierflaschen öffnen. Oder Leute beeindrucken. Coole Mädchen machen das mit lässiger Attitüde…
via boingboing

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Kunst in Kassel

Noch ein paar Tage, dann ist wieder Ruhe im Karton – respektive in Kassel. Am nächsten Wochenende schließt die Documenta, weltweit größte und auch wichtigste Kunstschau, ihre Pforten. Bis der Zirkus 2017 von vorne los geht. Natürlich war ich diesen Sommer da, so wie im Sommer vor fünf Jahren, vor zehn Jahre, vor 15 Jahren…

Die Documenta hat für mich etwas Magisches. Das Gefühl im unüberschaubaren Kunstdschungel plötzlich vor einer Arbeit zu stehen, die mich in ihren Bann zieht: das ist mein Kassel-Kick. Meine tour de force beginnt am Freitagmittag. Sofort schnappt die Gierfalle zu: Möglichst viel sehen, alle Sensoren auf Empfang. Ist natürlich Blödsinn. Wenn meine anfängliche Hektik sich gelegt hat, ich ruhiger werde, dann beginne ich, mich einzulassen. Und vergesse bis Samstagabend den Rummel um mich herum (Kassel wird von Mal zu Mal mehr zum Spektakel, zum „Event“, das man nicht verpassen darf.)

Im Gegensatz zur malerischen Inszenierung der venezianischen Biennale ist die Kasseler Kombination einer etwas drögen 50er Jahre Stadt mit gegenwärtiger Kunst aus aller Welt von eher sprödem Charme. Aber kaum eine Stadt zeigt noch ein so geschlossenes Wiederaufbau-Wirtschaftswunder-Gesicht. Muss man nicht gut finden, mich fasziniert es.

Es ist völlig aussichtslos, alles was gezeigt wird, wahrzunehmen und im Gedächtnis zu behalten. Also Notizen machen. Manchmal. Ja. Ich will dennoch keine Pics der Kunstwerke posten oder interpretatorische Statements abgeben. Es gab viel Spannendes und viel Unwesentliches. Das ist immer so. Diese Arbeiten sind mir (unter anderem) besonders in Erinnerung geblieben:

  • Kader Attias Inszenierung „The Repair“
  • Wael Shawkys Marionettenspiele „Cabaret Crusades“
  • Zanele Muholis sw-Fotos „Faces and Phases“
  • Julie Mehretus riesenformatige vierteilige Arbeit zu revolutionären Plätzen
  • Janet Cardiffs Audioinstallation „For a Thousand Years“ in der Karlsaue
  • Fast alles in der Friedrichstraße (besonders Gerard Byrne im Ballsaal des Hotel Hessenland und Theaster Gates im Hugenottenhaus)
  • Doch, auch das exzentrische Sammelsurium verschiedener Artefakte in der Rotunde des Fridericianums, inszeniert von Frau Christov-Barghiev.

Und ja, ich habe „Human“, den Hund mit dem rosa Bein, gesehen. Und kurz vor der Rückfahrt noch eine Runde durch den Park des Wilhelmshöher Schlosses gedreht.

Also dann: Was bleibt? Oder besser: welche Wirkung hat diese Documenta? Hat überhaupt je eine Documenta eine Wirkung gehabt, eine Wirkung über sich selbst hinaus? Oder ist das völlig gleichgültig? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich auch die nächste Documenta besuchen werde. Die jetzige ist noch bis 16. September 2012 zu erleben.

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Neulich im Norden

Donnerstag von München nach Helsinki, Samstag von dort mit der Fähre nach Tallinn und Sonntag zurück nach München: Ein verlängertes Wochenende mit Kunstgucken und Sonnenschein bis spät in der Nacht. In beiden Städten war ich zum ersten Mal, hatte sich irgendwie bisher nicht ergeben. Helsinki ist fabelhaft, bietet hohe Lebensqualität. Die Stadt ist relativ klein – ca. 600 000 Einwohner, nicht totgestylt, mit wenig Chichi, aber großzügig, mit viel Ostseeblick. Das Label „Designhauptstadt 2012“ scheint jedoch nicht wirklich ausgeschöpft: keine besondere Ausstellung oder ähnliches. Nur Hinweise auf den Design District (ein Viertel mit kleineren Läden und Gestalterbüros) und themenbezogene Stadtführungen und Sätze Marke “alles ist Design” oder so. Eher Micky Maus. Hätte man mehr draus machen können, denn Finnen leben tatsächlich selbstverständlich mit „gutem“ Design, ohne dies besonders hervorzuheben. Was mich noch irritiert hat: Entweder gibt es wenig alte Leute, oder sie zeigen sich nicht auf den Straßen.

Tallinn auf der anderen Seite der Ostsee liegt mit dem Schiff nur zwei Stunden weit entfernt. Samstagvormittag ist der Dampfer proppenvoll: Finnen, die zum Shoppen nach Estland wollen, Esten, die in Helsinki arbeiten und übers Wochenende nach Hause fahren, dazu ein paar Touristen. Tallinn hat eine großartige Altstadt: von Gotik bis Jugendstil ist alles vertreten. Praktischerweise liegt alles direkt am Hafen, so dass Tallinn an diesem Tag überfüllt ist mit Kreuzfahrtschiff-Trupps. Solche Menschenmassen auf so kleinem Raum habe ich noch nie gesehen. Am Abend sind sie aber alle wieder weg und die Party People übernehmen. Nächstes Mal komme ich während der Woche.

Ach ja, die Kunst: ich war im Kiasma in Helsinki, im Design Museum und im Amos Andersen Museum, in Tallinn war es das Kumu.

Und hier ein paar Bilder…

…und das hab ich mitgebracht. Das links in der roten Tüte ist wohl klar, oder? Aber das Zeug rechts? Ratet mal…

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Antreten zum Schöner Wohnen

Für eine Reportage habe ich mich im letzten September in zwei Augsburger Wohnquartieren umgesehen: Sheridan-Park und Supply Center – beide Viertel sind auf ehemaligen militärischen Flächen entstanden. Der Artikel ist jetzt im Magazin a3kultur erschienen, einige Impressionen sind bis zum 25. Mai im Rahmen der Ausstellung “Ausgezeichnete Wohnträume” zu sehen. Und hier kommen weitere Eindrücke:

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Mimikry im Nahverkehr

Die Sitzbezüge in Vehikeln des öffentlichen Nahverkehrs sind echte Perlen der Geschmacklosigkeit. Verarbeitet zu Klamotten, werden die wirr gemusterten Textilien nicht hübscher, doch die Künstlerin Menja Stevenson hat anderes im Sinn: Seit ein paar Jahren fährt sie in Stuttgart mit dem Bus herum, gewandet in Kreationen, die aus dem Sitzbezugstoff des jeweiligen Gefährts genäht wurden. Dieses optische Verschmelzen mit ihrer Umgebung und die Irritationen, die dies bei den Mitreisenden auslöst, dokumentiert Stevenson in Videos. Kann man auf ihrer Website angucken.

Pics | Bustour S, 2008 |

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